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Gartenstadt SchwerinDer grüne Stadtteil von Schwerin

Eine kurze Geschichte der Gartenstadt

Vom Gasthaus an der Furt über die Genossenschaft und die Kasernen bis zur Neuen Gartenstadt: gut hundert Jahre Stadtteilgeschichte, dazu ein Blick weit zurück.

Reihe heller Zweifamilienhäuser mit roten Dächern in der Buchholzallee
Buchholzallee: Hier entstanden ab 1920/21 die ersten Häuser der GartenstadtFoto: Tmv23 · CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

Die Idee kam aus England. Ebenezer Howard beschrieb 1898 die Gartenstadt als Siedlung mit eigenem Garten für jede Familie, günstig und gesund. Ab 1903 entstand mit Letchworth die erste. In Deutschland gründete sich 1902 die Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft.

In Schwerin griff Heinrich Bilguer, Leiter der Gewerbeschule, den Gedanken auf. Die Genossenschaft, die er 1912 mit anderen gründete, kaufte ein Jahr später Land östlich des Ostorfer Sees, ganz in der Nähe des alten Gasthauses Püsserkrug. Mit der ursprünglichen Idee hat der Stadtteil heute nur noch den Namen gemeinsam: Gebaut wurde in mehreren Schüben, zuletzt auf dem Gelände der früheren Kasernen.

Zeitleiste

  1. Steinzeit

    Erste Spuren

    Am Nordrand der heutigen Gartenstadt fanden sich Hinterlassenschaften des steinzeitlichen Siedlungsplatzes auf der Halbinsel Ostorf. Die alten Flurnamen „Ostorfer Feld“ und „Mittelfeld“ leben in der Straße Mittelfeld weiter.

  2. 1651

    Ein Katen an der Furt

    Wo die Straßen von Süden und Osten den Bach zwischen Ostorfer und Faulem See querten, entstand der Püsserkrug. Über 300 Jahre war er Gasthaus, später Mittelpunkt der Gartenstadt. Zur Geschichte des Püsserkrugs

  3. 1912

    Die Genossenschaft

    Auf Anregung von Heinrich Bilguer, Leiter der Gewerbeschule, gründet sich die Schweriner Gartenstadtgenossenschaft mit fast 100 Mitgliedern. Vorbild ist die englische Gartenstadtbewegung, die Ebenezer Howard 1898 begründet hatte.

  4. 1913

    Land von der Gemeinde Ostorf

    Die Genossenschaft kauft rund 40.000 Quadratmeter zwischen Hagenower und Ludwigsluster Straße. Das Gelände gehört zur Gemeinde Ostorf, gebaut wird vorerst nicht.

  5. 1920/21

    Zu Schwerin und die ersten Häuser

    Der Teil Ostorfs mit dem Genossenschaftsland wird nach Schwerin eingemeindet. In der Buchholzallee entstehen die ersten Zweifamilienhäuser, nach Entwürfen des Architekten Willy Taebel. Das übrige Ostorf folgt 1928.

  6. 1929

    Rund 55 Häuser

    Bis zur Weltwirtschaftskrise wächst die Siedlung auf rund 55 Häuser, dazu kommen einige Villen an der Haselholzstraße und der Hagenower Straße. Statt der gedachten Arbeiter ziehen vor allem Beamte ein.

  7. ab 1934

    Die Kasernen

    Südlich der Wohnhäuser entstehen die Moltke-Kaserne und die Unteroffizier-Krüger-Kaserne.

  8. 2. Mai 1945

    Kriegsende

    Gegen 11.30 Uhr erreicht das 121. Infanterie-Regiment der 8. US-Infanteriedivision die Gartenstadt und nimmt danach ohne Widerstand die Stadt ein. Ab Juli 1945 nutzen die sowjetischen Streitkräfte die Kasernen, teilweise auch die Bereitschaftspolizei der DDR.

  9. 1958

    Eine Schule

    In der Gartenstadt wird eine Schule gebaut. 1973 wird sie zu Kindergärten umgewidmet. Heute gibt es im Stadtteil keine Schule.

  10. 1979

    Abriss des Püsserkrugs

    Die Stadtverwaltung lässt das verfallene Gebäude abreißen. An den Ort erinnern die Straße Am Püsserkrug und ein Findling an der Hagenower Straße.

  11. 25. Juni 1984

    Explosion auf dem Kasernengelände

    Im südlichen Teil des sowjetischen Kasernengeländes explodiert Munition, Splitter treffen Gebäude bis in den Großen Dreesch. Ursache und Folgen werden unterschiedlich überliefert; die Zeitung meldete damals nur einen „Brand mit Folgen“.

  12. 1990

    Das Technologiezentrum

    Am 17. April 1990 wird das Technologie- und Gewerbezentrum Schwerin/Wismar gegründet. Ab 1991 sitzt es an der Hagenower Straße 73. Mehr zur Wirtschaft

  13. 1993

    Ende der militärischen Nutzung

    Die Kasernen werden aufgegeben. Rund 50 Hektar Fläche liegen brach.

  14. um 2000

    Abriss und Sanierung

    Nachdem der Denkmalschutz aufgehoben ist, werden die Kasernen bis auf einen Teil abgerissen. Von 2001 bis 2005 werden Altlasten und Munitionsreste aus dem Boden geholt.

  15. 2002

    Die Neue Gartenstadt

    Am 6. Dezember 2002 wird der Bebauungsplan „Neue Gartenstadt-Schwerin“ rechtskräftig. In mehreren Abschnitten entstehen bis 2016 Wohnhäuser an Straßen mit Blumennamen und das Nahversorgungszentrum am Blumenbrink.

  16. 2012–2015

    Der Gartenstadt-Bote

    Der Verein „Bürger für die Gartenstadt“ wird 2012 gegründet. Dr. Wolfgang Leist gibt in dieser Zeit 18 Ausgaben des Gartenstadt-Boten heraus. Zum Gartenstadt-Boten

  17. 2018

    Ein Platz am See

    Am Ende der Rosenstraße entsteht der „Ostorfer SeeBLICK“, bezahlt vor allem aus dem BUGA-Gewinnanteil des Ortsbeirats. Zum Ostorfer See

  18. 2024

    Haus 7 im TGZ

    Das Technologiezentrum eröffnet ein neues Gebäude, die Investition liegt bei über 20 Millionen Euro.

Quellen

Wikipedia, Artikel „Gartenstadt (Schwerin)“ und „Ostorf“; schwerin.live, „Im Püsser Krug fing alles an“ (2013, nach Dr. Wolfgang Leist); Stadtchronik der Landeshauptstadt Schwerin; Begründungen der Bebauungspläne 33.01, 34.04 und 35.05; Nordkurier vom 25.06.2024 zur Explosion 1984; Technologie- und Gewerbezentrum Schwerin/Wismar. Für das Jahr der Eingemeindung nennen die Quellen 1920 oder 1921.

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