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Gartenstadt SchwerinDer grüne Stadtteil von Schwerin

Zeitzeugen erinnern sich an den Püsserkrug

Dr. Wolfgang Leist hat mit älteren Gartenstädterinnen über den Püsserkrug gesprochen. Drei von ihnen erzählen hier, wie der Krug nach dem Krieg Laden, Treffpunkt und Kindergarten war.

„Der Konsum war das Zentrum der Gartenstadt“Zeitzeugin, geboren 1949, in der Gartenstadt aufgewachsen

Unsere Einkaufsquelle war der Püsser Krug. Der Püsser Krug war ein markantes Gebäude mit einem großen Tor. Zu meiner Zeit lagen dort an der Fassade die Balken frei, also eine Fachwerkkonstruktion. Und davor stand bis zuletzt ein großer Kastanienbaum. Und dort lag auch ein großer Stein mit einem eisernen Ring, um die Pferde anzubinden. Der Konsum war das Zentrum der Gartenstadt. Zumal es da auch einen Fleischer und einen Kurzwarenladen gab. Und einen Gemüseladen extra außen. Und daneben in einem Barackenbau der Kindergarten. Der Leiter der Verkaufsstelle hieß Krummsee.

Historische Ansicht der Gaststätte Püsserkrug
Die Gaststätte PüsserkrugSammlung Dr. Wolfgang Leist / Archiv gartenstadt-schwerin.de

Hier gab es auch eine Bibliothek im vorderen Bereich, da habe ich die Ausleihe zeitweise gemacht. Die hinteren Räume wurden zur Mütterberatung genutzt, da musste ich so einmal im Monat mit meinen Kindern hin. Oben im Püsser Krug gab es eine Wohnung, möglicherweise sogar zwei. Da wohnten Schatkas. Aus meiner Kindheit erinnere ich mich, dass nachmittags um drei die Buttermilch kam. Und dann bin ich um drei immer Buttermilch holen gegangen. Ich bin also mit drei Jahren mit der Milchkanne los und habe 1¾ Liter Milch geholt. Nicht mehr, sonst wäre es übergeschwappt. Dafür musste man Marken abgeben.

Und ich erinnere mich noch an eine Sache: Meine Tochter war damals ganz klein, zwei Jahre alt. Das war also 1968. Wir waren zum Einkaufen gegangen, und die Kinder spielten draußen. Da kamen immer diese großen Brauereipferde mit Fässern auf dem Wagen. Und da komme ich raus, und da hängt meine Tochter an einem Huf von diesem riesigen Pferd und ruft „Hoppe Reiter machen, hoppe Reiter machen“, sie wollte also reiten. Ein Tritt von diesem Pferd, und da hätte sonst was passieren können.

Der bekannte Maler Carl Hinrichs hat übrigens zum Püsser Krug Folgendes erzählt: Sein Vater war Musiker und verdiente sich mit Wirtshausmusik etwas dazu. Im Püsser Krug war ein Saal, wo Tanzveranstaltungen waren und wo sein Vater auch immer mal gespielt hat. Dieser Saal hatte hinten die Bühne, und dahinter war noch ein kleiner Ausgang. Die Musiker spielten nicht für Geld, sondern für Essen, so viel sie wollten. Carl wurde dann von seiner Mutter losgeschickt, er musste von der Bornhövedstraße mit einem Korb bis zum Püsser Krug laufen und sich von hinten heranschleichen. Sein Vater hat ihm dann das ganze gesammelte Essen nach hinten herausgereicht, und Carl ist wieder zurückgelaufen. Das war aber in den Notzeiten der 20er Jahre.

„Ein richtiger Tante-Emma-Laden“Zeitzeugin, geboren 1927, in der Gartenstadt seit 1951

Den Püsser Krug kenne ich nicht mehr als Gaststätte, das heißt, der vordere Bereich mit dem Gastraum wurde nicht mehr als Gaststätte genutzt. Da gab es stattdessen links einen Gemüseladen und einen Milchladen und rechts den weiteren Lebensmittelbereich mit Konserven und so weiter. Das war ein richtiger Tante-Emma-Laden, da wurde noch alles per Hand abgewogen. Hinten am Püsser Krug gab es einen großen Saal, da gab es öfters Tanzveranstaltungen.

Ein Fischwagen kam auch gelegentlich zum Püsser Krug. Anfangs gab es da auch einen Fleischladen, der zog später gegenüber in den großen Block an der heutigen Ludwigsluster Chaussee, wo dann auch die Gaststätte „Zur Gartenstadt“ war. Vom Püsser Krug aus links gesehen standen zwei Baracken, die als Kindergarten genutzt wurden. Zuvor war darin eine Kegelbahn. Dahinter gab es einen großen Spielplatz. Meine Kinder sind auch in diesen Kindergarten gegangen. Der war sehr schön. Frau Beutling war da die Erzieherin, die lebt noch immer in der Gartenstadt. Die sprach auch immer nur Plattdeutsch.

„Heute gibt’s Bananen“Zeitzeugin, geboren 1922, in der Gartenstadt seit 1948; die Schwiegereltern wohnten hier seit 1934

Historische Ansicht des Püsserkrugs von 1886
Der Püsserkrug 1886Sammlung Dr. Wolfgang Leist / Archiv gartenstadt-schwerin.de

Das Grundstück hier: 1934 sind die eingezogen. Da gab es den Schürmann vom Püsser Krug. Und mein Schwiegervater musste in den Verträgen unterschreiben, dass er hier keinen Ausschank machen und keine Gaststätte haben durfte. Das ist vom Rat der Stadt unterschrieben worden. Mein Schwiegervater wollte das gar nicht, der war ja schon Rentner.

Mein Sohn ist 1949 geboren. Als er fünf Jahre alt war, sollte er in den Kindergarten am Püsser Krug gehen. Das wollte er aber nicht. „Die sind alle so hässlich, die Frauen da“, hat er gesagt. Und wir wollten ihn nicht zwingen. Wir hatten hier immer einen Konsum. Der Konsum war der Treffpunkt der Gartenstädter. Wenn es da was gab, wurde das sofort herumerzählt: „Heute gibt’s Bananen.“

Die Gespräche führte und zeichnete Dr. Wolfgang Leist auf. Wir danken ihm für seinen Beitrag. Die Erinnerungen geben die Sicht der Zeitzeuginnen wieder.

Zur Geschichte des Püsserkrugs